Also: Übers Design kann und muss man streiten. (Genau wie über die Sinnhaftigkeit und Sozialverträglichkeit der Fahrzeuggattung "SUV" an sich.) Dass die dem iX an den seltsamsten Stellen Knicke und Falze in die Haut designt haben, macht das Gesamtwerk tatsächlich etwas unruhig. Der Biberzahn-Grill vorne wird auch beim hundertsten Hingucken nicht hübscher. Und überhaupt beweist der iX (wie eigentlich alle SUVs), dass es ab einer bestimmte Größe unmöglich ist, ein angenehm proportioniertes, elegantes Auto zu gestalten. Modern times eben... Andererseits habe ich den aber auch nicht gekauft, weil er eine automobile Skulptur ist (was er definitiv nicht ist), sondern weil ich einfach ein E-Auto mit drei Ausstattungsmerkmalen haben wollte, die für mich inzwischen nicht mehr verhandelbar sind: Abstandstempomat, Head-Up-Display, Sitzklimatisierung. Vor allem die letzten beiden gibt's üblicherweise erst ab einer bestimmten Fallhöhe in der Autohierarchie - deswegen war klar, dass es kein Dacia Spring werden würde. Und dann ist mir der hier über den Weg gelaufen: iX 40 xDrive, EZ 09/2024 (also vor der Modellpflege), 47.000 km, 99,8 Prozent Batterieleistung lt. Zertifikat. Und ausgestattet mit dem, worauf ich nicht verzichten wollte (s. oben) und noch ein bisschen mehr. Ja, die Ausstattung macht schon Freude, weil der Erstbesitzer kaum eine Option ausgelassen hat. Allerdings gehen ein paar Sachen schon ziemlich Richtung Hip-Hop-Bling-Bling, wie der iDrive-Controller, der Lautstärkeregler und die Bedienelemente für die elektrische Sitzverstellung aus Kristallglas - das sieht erstens unangenehm neureich aus und erzeugt zweitens total störende Lichtreflexe, wenn die Sonne draufscheint. Oder das komplett zweckbefreite Glasdach, das sich zwar elektrochromatisch verdunkeln, aber nicht öffnen lässt. Oder die eher nicht so dezente Rautensteppung der Sitzbezüge. Aber das sind echte first world problems. Um auf die Frage zurückzukommen: Das Ding fährt sich sensationell. Einerseits unfassbar leise, komfortabel und entspannt - fast schon entkoppelt vom Rest der Welt. (Außer, die 22"-Felgen mit den 275er Sommerreifen treffen auf ein Schlagloch oder auch nur einen Kanaldeckel, dann rumpelt es mehr oder weniger unmissverständlich. Ist mit den kleineren Winterfelgen deutlich ruhiger.) Andererseits geht er, wenn man es will, so brachial nach vorne, dass es einem den Hinterkopf an die Kopfstütze drückt. Elektro ist halt echt anstrengungslose Kraft ab der ersten Zehntelsekunde. Dabei ist der iX 40 "nur" das Basismodell. Und als Basismodell hat er auch nur die 77-kWh-Batterie. (Es gab vor der Modellpflege auch den iX 50 mit einem 111-kWh-Speicher, aber den hat anscheinend niemand gekauft, jedenfalls taucht er als Gebrauchtwagen so gut wie nie auf). Die echte Reichweite mit dem 77-kWh-Akku liegt, wenn man nur die batterieschonende Range von 10% bis 80% Ladestand nutzt, bei 280 bis 300 km. Damit komme ich (und kommen sicherlich die meisten Menschen) in 95% der Anwendungsfälle locker aus. Bei der täglichen Pendelei ins Büro sowieso, aber auch auf der Langstrecke: Ich war in den kurzen vier Wochen, die ich das Auto jetzt habe, schon 2x in Berlin - ohne mein halbes Leben an der Ladesäule zu verbringen. Mit Tempomat 140 und drei Ladestopps dauert die Fahrt Wiesbaden-Berlin rund sechseinhalb Stunden. Das passt schon. Mit dem Verbrenner (und mit V/max 160, weil mir alles darüber in meinem inzwischen doch fortgeschrittenen Alter auf Dauer einfach keinen Spaß mehr macht) habe ich für die Strecke früher inkl. 1x tanken und ohne Stau in der Regel etwas weniger als sechs Stunden gebraucht. Die halbe Stunde mehr macht für mich keinen wirklichen Unterschied. Der Durchschnittsverbrauch auf den immerhin 5.000 Kilometern, die ich bisher gefahren bin, liegt bei 21,2 kWh/100 km. (Die App sagt, das sind 0,5 kWh weniger als im Durchschnitt der iX-40-xDrive-Community - dieses nutzlose Wissen kriege ich neuerdings gratis und ungefragt dazu...) Kosten tut mich das Laden derzeit grob die Hälfte von dem, was ich zu Verbrennerzeiten für Super E10 gezahlt habe: etwa 13 Euro. Das könnte noch viel weniger sein, aber derzeit bin ich aufs öffentliche Laden angewiesen, weil ich zu Hause noch keine Wallbox und keine PV-Anlage habe. Immerhin hat mein Arbeitgeber dankenswerterweise zwölf Ladepunkte in der Tiefgarage eingerichtet, an denen der Strom [11 kW] mit der Ladekarte vom örtlichen Energieversorger 41 Cent pro kWh kostet. Anders gesagt: Ich bereue (bisher) nichts. Und wenn ich ungefiltert Auto fahren möchte, also ohne Assistenten, ohne Piepser, ohne in irgendeiner Cloud vernetzte Software - dann kommt das Cabrio aus der Garage. Denn das macht immer noch Spaß. Mindestens soviel Spaß wie der iX. Und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.