Zum Inhalt springen

Meine bremisch-bretonische Saab-Vita

Empfohlene Antworten

  • Autor
Am 8.1.2026 um 12:07, René hat gesagt:

Du meinst sicher Trockeneisstrahlen, nicht Sandstrahlen.

Genau:-) Korrigiert.

Was den 9000 angeht: Er sieht innen und außen noch gut aus (Bild von gestern), sonst hätte ich das Abenteuer ja nicht angefangen. Aber: Laute Geräusche von der Vorderachse, deren Ursache die Werkstatt nicht gefunden hat (Deren nächster Tipp: Lenkgetriebe.). Blinkende SRS-Leuchte. Das getauschte Automatikgetriebe hat ne Macke (im kalten Zustand geht ein starker Ruck durchs Fahrzeug, wenn vom vierten in den dritten Gang zurückgeschaltet wird). Klimakompressor defekt. Sitzheizung defekt. Tempomat defekt. Ich selbst will keinen Euro mehr da reinstecken. Rund 8.000 Euro für Dachhimmel, Karosseriearbeiten, Automatikgetriebe, Michelin-Reifen, etc. pp. waren genug. Meinem französischen Saab-Schrauber hatte ich ihn für ein bestimmtes Kontingent an Arbeitsstunden angeboten, aber er wollte ihn nicht. Was soll ich mit so einem Auto mit deutscher Zulassung in Frankreich anfangen? Ein 2.3i mit 232.000 Kilometer, für den es keinen Markt gibt?

Gewiss: Stünde er in Deutschland, fände ich hier im Forum vermutlich jemanden, der ihn für einen angemessenen Zeitwert holt, weil er die restlichen Arbeiten selbst erledigt oder sich über die vielen guten Teile freut. Aber man möge mir nachsehen, dass für mich Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen, wenn ich dieses Auto erst nach Schleswig-Holstein überführe, dann dort inseriere und regelmäßig vor Ort sein muss für Besichtigungstermine und Abholung. "Wir kaufen dein Auto" zahlt einen guten Tausender dafür. So be it.

IMG_1775.jpeg

Ja, verstehe. So ist das halt. Irgendwann und irgendwo muss eben auch tatsächlich mal eine reißleine gezogen werden.

Der 900er hätte mich auch sehr interessiert, habe leider noch immer keinen...

Am 8.1.2026 um 12:23, lunatic-factor hat gesagt:

Gewiss: Stünde er in Deutschland, fände ich hier im Forum vermutlich jemanden, der ihn für einen angemessenen Zeitwert holt, weil er die restlichen Arbeiten selbst erledigt oder sich über die vielen guten Teile freut. Aber man möge mir nachsehen, dass für mich Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen, wenn ich dieses Auto erst nach Schleswig-Holstein überführe,

Ich biete Dir gerne an, ihn nach Schleswig-Holstein zu überführen, wenn es nicht in direkt kommender Zeit sein muss.
Dinard, St. Malo und St Michel habe ich lange nicht mehr besucht und ist stets eine Reise wert.
Regelmäßig reise ich eh von Paris nach Göttingen bzw. Hamburg/Wedel mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Aktuell steht auch beim NG 900 in Paris in einer Tiefgarage.

Von der Vorgeschichte her (wie er zu Dir gekommen ist) und gerade weil Du bereits viel investiert hast, wäre es sehr schade, wenn der CC durch den Aufkäufer geschlachtet wird. Denn ich kann mir nicht vorstellen, daß "WkDA" Dir den 9000er zwecks Wiederverkauf abkauft. Und die würden den ab Platz in Dinard abholen?

Der Wagen verdient ist, in Hände zu gelangen, die ihn weiter so schätzen wie Du es getan hast.
Und wenn es auch nur für die gleichen 1000,- Euro sind.
Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass Du nun einen Schlussstrich ziehen möchtest. Gerade weil Du auch eine kleine Sammlung und damit (zu) viel Auswahl hast. Kenne ich.
Deshalb fiel es mir auch leicht, meinen CC nach 11 Jahren im letzten Jahr weiterzugeben; aber es war mir auch wichtig, dass er in schätzende Hände kommt.

Ein Verkauf in Frankreich ist übrigens auch kein Problem (auch wenn die Nachfrage an einem CC auch hier nicht gerade immens ist).
Mein damaliges 900er Cabrio mit deutscher Zulassung habe ich in Paris verkauft, in Paris stehen lassen, mit den deutschen Kennzeichen und Papieren dann in Deutschland auf ein Export-Kennzeichen umgemeldet und so dem VK (einem Belgier) dann in Paris final übergeben.

P.S.:
Den ruckenden Schaltvorgang kenne ich auch, wobei es bei mir beim Hochschalten mit wenig Gas von der dritten in die vierte Stufe der Fall war; und auch nur so leicht, daß es zwar bemerkbar, aber nicht störend war. Wenn ich mich recht erinnere, hätte ich das mit einem Austausch der Bremsbänder optimieren können, aber es hat mich halt nie so gestört, daß es notwendig gewesen wäre. Im kalten Zustand waren die Schaltvorgänge auch stets prägnanter. Hatte ich auch: Sitzheizung defekt. Tempomat defekt.
Wegen der SRS-Leuchte: direkt auf "non-Airbag Lenkrad" umrüsten.
Naja, egal. Du hast Dich ja schon entschieden.

Zuersteinmal: dieser Thread ist einer der wenigen, den ich mal von Anfang bis Ende gelesen habe, einfach weil meine automobile Geschichte Parallelen und ähnliche Verrücktheiten aufweist. Auch durfte ich im Juli 2024 bei @gerald Deinen ehemaligen 9k Aero gesehen - einfach (m)ein Traumauto!

Gerade an der Stelle - und wie @René auch schon anmerkte - gerade unter den Umständen, wie dieser letzte 9k zu Dir fand wirst Du dies möglicherweise bereuen, wie die Veräußerung Deines weißen 9-3 aus Bremen. Und bevor Du den an irgendeinen Aufkäufer abtreten, der, sofern er wirklich aufkreuzt und überhaupt noch etwas für einen alten CC mit ohne Turbo und dafür Opamatik hinlegt, sollte doch hier im Forum etwas machbar sein. @ST 2 hat sich ja bereits angeboten.

Im Übrigen weist dieser Faden einen harten Bruch auf: im Corona-Frühjahr 2020 war der schwarze 9-3 und legitimierte Nachfolger Deines 9k Aero einfach verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt? Die Auflösung der Umstände würden die Geschichte noch abrunden.

Am 8.1.2026 um 17:52, ST 2 hat gesagt:

.... Hatte ich auch: Sitzheizung defekt. Tempomat defekt.
Wegen der SRS-Leuchte: direkt auf "non-Airbag Lenkrad" umrüsten.

Reparieren ist keine Option...?confused

Am 8.1.2026 um 14:15, Stöffn hat gesagt:

Der 900er hätte mich auch sehr interessiert, habe leider noch immer keinen...

Der blaue 900S geht in gute, wertschätzende Hände.

Hast Du irgendwo eine Suchanzeige? Falls ja muss ich die übersehen haben.

  • Autor
Am 10.1.2026 um 17:25, Saabwoofer hat gesagt:

Zuersteinmal: dieser Thread ist einer der wenigen, den ich mal von Anfang bis Ende gelesen habe, einfach weil meine automobile Geschichte Parallelen und ähnliche Verrücktheiten aufweist. Auch durfte ich im Juli 2024 bei @gerald Deinen ehemaligen 9k Aero gesehen - einfach (m)ein Traumauto!

Gerade an der Stelle - und wie @René auch schon anmerkte - gerade unter den Umständen, wie dieser letzte 9k zu Dir fand wirst Du dies möglicherweise bereuen, wie die Veräußerung Deines weißen 9-3 aus Bremen. Und bevor Du den an irgendeinen Aufkäufer abtreten, der, sofern er wirklich aufkreuzt und überhaupt noch etwas für einen alten CC mit ohne Turbo und dafür Opamatik hinlegt, sollte doch hier im Forum etwas machbar sein. @ST 2 hat sich ja bereits angeboten.

Im Übrigen weist dieser Faden einen harten Bruch auf: im Corona-Frühjahr 2020 war der schwarze 9-3 und legitimierte Nachfolger Deines 9k Aero einfach verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt? Die Auflösung der Umstände würden die Geschichte noch abrunden.

Der schwarzbeige 9-3 (ein sehr schönes Auto) war hier im Forum inseriert und fand schnell einen neuen Liebhaber. Der grünbeige 9-3 wurde übers Saab Zentrum Paderborn weitervermittelt. Hintergrund: Ich fing im September 2019 an, für einen großen deutschen Automobilhersteller zu arbeiten. Mir schien damals unpassend, dann privat noch einen Saab zu fahren. Das habe ich dann relativ schnell revidiert. So ganz ohne Saab ging es einfach nicht, außerdem war's ja keine Konkurrenz mehr im Markt. So kam dann der 900 im Corona-Frühjahr 2020 zu mir.

Bearbeitet von lunatic-factor

  • Autor

.

Bearbeitet von lunatic-factor

  • Autor
Am 10.1.2026 um 17:25, Saabwoofer hat gesagt:

Zuersteinmal: dieser Thread ist einer der wenigen, den ich mal von Anfang bis Ende gelesen habe, einfach weil meine automobile Geschichte Parallelen und ähnliche Verrücktheiten aufweist. Auch durfte ich im Juli 2024 bei @gerald Deinen ehemaligen 9k Aero gesehen - einfach (m)ein Traumauto!

Gerade an der Stelle - und wie @René auch schon anmerkte - gerade unter den Umständen, wie dieser letzte 9k zu Dir fand wirst Du dies möglicherweise bereuen, wie die Veräußerung Deines weißen 9-3 aus Bremen. Und bevor Du den an irgendeinen Aufkäufer abtreten, der, sofern er wirklich aufkreuzt und überhaupt noch etwas für einen alten CC mit ohne Turbo und dafür Opamatik hinlegt, sollte doch hier im Forum etwas machbar sein. @ST 2 hat sich ja bereits angeboten.

Im Übrigen weist dieser Faden einen harten Bruch auf: im Corona-Frühjahr 2020 war der schwarze 9-3 und legitimierte Nachfolger Deines 9k Aero einfach verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt? Die Auflösung der Umstände würden die Geschichte noch abrunden.

Mein alter 9000 Aero ... ich habe ihn damals zum für mich richtigen Zeitpunkt abgegeben. Das Thema war nach sechs Jahren für mich durchgespielt, und er kam ja in die maximal besten Hände. Insofern bereue ich da nichts. Würde @gerald ihn allerdings irgendwann wieder verkaufen, was er nicht beabsichtigt, müsste ich stark in mich gehen:-)

Aero Me.jpg

Die Abgabe des 9000 CC werde ich nicht bereuen. In der Tat war er damals Teil einer Trauerarbeit und hatte damit auch seinen Sinn. Aber heute hat dieser Wagen keinen sentimentalen Wert für mich. Meinem Vater fühle ich mich sehr verbunden, wenn ich im BX Break sitze. Dieses Modell war ja sein eigener erster Neuwagen und damals sein ganzer Stolz. Dass er diese Anschaffung nicht mehr miterleben konnte, ist tatsächlich schade.

Bearbeitet von lunatic-factor

Existiert denn Dein erster weißer 9-3 noch als Werkstatt Ersatzwagen? Das wär doch noch ein spannendes “homecoming” Projekt biggrin

  • Autor
Am 12.1.2026 um 00:02, kaiger hat gesagt:

Existiert denn Dein erster weißer 9-3 noch als Werkstatt Ersatzwagen? Das wär doch noch ein spannendes “homecoming” Projekt biggrin

Mit dem Gedanken habe ich über die Jahre mehrmals gespielt, aber dann 2016 einen Strich drunter gemacht (längerer Facebook-Beitrag siehe unten) . Dem Auto würde ich immer nur vorwerfen, dass es nie wieder so perfekt sein würde, wie es damals war. Und ganz ehrlich: Mit meinem schier makellosen 9-3 2.0i SE aus Frankfurt habe ich seit 2024 ein Auto, das mir genau dieses Lebensgefühl meiner späteren 20er zurückholt.

"Mainz. Ein regnerischer Nachmittag im Januar 2016. Ich komme von einem dienstlichen Termin und will zu Freunden fahren. Aber auf dem Weg dahin kommt mir plötzlich Hillary in den Sinn. Mein erster Saab. Der Saab, den ich damals in einer der dümmsten Entscheidungen meines Lebens abgab, weil ich der irrigen Ansicht war, ich bräuchte einen moderneren Saab.

Ich verkaufte das Auto viel zu billig an den Freund eines Freundes. Ein Jahr später rief dieser Mann mich an und sagte, er werde mit dem Auto nicht warm. Für seinen Alltag verbrauche es zu viel (womit klar bewiesen war, dass er nicht wusste, wie man einen Saab fährt. Ein Saab verbraucht nämlich nur viel Benzin, wenn man nicht weiß, wie man ihn behandeln muss). Und dann sagte er: Ich hätte mir ja ausbedungen, dass er zuerst mich anruft, wenn er den Wagen wieder verkaufen wolle. Also biete er ihn mir jetzt an. Für 800 Euro mehr, als er mir selbst vor einem Jahr dafür gegeben hatte. Ich war fassungslos über diese Unverschämtheit. Erstens hatte ich das Geld gerade nicht. Zweitens wollte ich das aus Prinzip nicht. Ja, Hillary gehörte zu mir. Aber sie zurückholen, indem ich mich übers Ohr hauen ließ? Nein. Der Mann verkaufte dann meinen penibelst gepflegten ersten Saab an eine Werkstatt, die den selten guten Zustand erkannte und den geforderten Betrag anstandslos auf den Tisch legte. Seither läuft Hillary dort als Kundenersatzfahrzeug. Als „Werkstatthure“, wie man so sagt. Ein Zustand, der mich jedes Mal quält, wenn ich daran denke.

Und jetzt denke ich wieder daran. Ich fahre kurzentschlossen rechts ran, suche die Adresse der Werkstatt im Internet heraus und gebe sie ins Navi ein. Zehn Minuten später rolle ich auf den Hof. Und da steht sie. Hillary. Ihr schöner weißer Lack ist von all den Jahren im Freien stumpf geworden. Die lackierten Stoßstangen sind derbe patiniert. Das Haubenemblem ist abgeblättert. In der Fahrertür ist eine Delle, und der Innenraum bräuchte mal eine Grundreinigung. Alles kosmetischer Kram. Alles machbar. Und in der Heckscheibe klebt immer noch der Aufkleber, den ich dort seinerzeit stolz dranmachte: „SAAB – Viel Vernunft und viel Vergnügen“. Ich betrete die Werkstatt und rufe dem Meister zu: „Guten Tag! Ich bin nur hier, um mein altes Auto zu besuchen!“ Fünf Minuten später stehen wir zu zweit auf dem Hof vor dem Auto, und ich erkläre ihm, was er da überhaupt für ein Auto besitzt: „Sie wissen, dass das ein Solitär ist, oder? Ein zirrusweißer 9-3 SE mit der 2.3-Liter-Maschine ohne Turbo und mit Automatik. Der Motor wurde nur im ersten Halbjahr 98 in den 9-3 gebaut, weil das Werk noch Restbestände hatte. Der Erstbesitzer war Orchestermusiker bei Radio Bremen und bestellte alles – außer Metalliclackierung und Tempomat. So etwas gibt es auf der ganzen Welt nur einmal.“ Dann bitte ich ihn, mir mal den Zündschlüssel zu geben: „Sehen sie: keine Fernbedienung für die Zentralverriegelung. Obwohl die damals eigentlich schon serienmäßig war. Die haben sie in Trollhättan einfach bei einem Schwung von Autos vergessen. Dieses ist eines davon.“ Der Meister sagt: „Fahren sie ruhig mal eine Runde, wenn sie wollen.“

Ich steige in mein altes Auto, drehe den Zündschlüssel zwischen den Sitzen um, und wir fahren los. Hillary und ich. Wie wir es schon so oft getan haben. Ja, sie ist mittlerweile etwas verlebt. Aber beim Fahren ist alles so wie früher. Die Maschine verrichtet ihren Dienst mit dem charakteristischen Klang der Saab-Motoren dieser Jahre. Man kann ihn schwer beschreiben. Vielleicht eine Art kerniges, rauchiges Summen, wenn es das gibt? Die Automatik schaltet sauber. Ich bin sofort wieder zuhause. Vor allem aber: Ich werde geflutet von Erinnerungen und Gefühlen. Berlin. Hamburg. Düsseldorf. Hillary war immer dabei. Ich war in diesem Auto glücklich und traurig, habe geknutscht und geheult, gelacht und gestritten. Es gehört noch zu diesem Lebensabschnitt Mitte/Ende 20, in dem man viele Dinge zum ersten Mal erlebt. So wie eben auch den ersten Saab. Ich war so stolz auf dieses Auto. Ich weiß noch, wie oft ich einfach so die lederne Servicemappe rausholte, mit dem Finger über den Saab-Schriftzug auf der Heckklappe fuhr, um den Wagen herum ging und ihn aus jeder Perspektive betrachtete. Dieses Auto habe ich eigentlich nie abgestellt, ohne mich mindestens einmal danach umzuschauen. So schön fand ich es. Hillary und ich - wir sind einfach ganz dicke Tinte. Bis heute.

Zurück auf dem Werkstatthof sage ich zu dem Meister: „Es steckt so viel von meinem Leben in diesem Auto. Ich möchte es gerne zurückkaufen.“ Der Meister sagt: „Das ist alles eine Frage des Preises. Wir müssten den Wagen ja sofort ersetzen. Aber für 4.000 Euro können sie ihn haben. Mit neuen Sommerreifen, Inspektion und Tüv.“ Ich runzle die Stirn: „Sie haben für den Wagen selbst vor vier Jahren nur 3.000 Euro bezahlt, und wollen ihn mir jetzt für 4.000 Euro verkaufen? Obwohl der Zeitwert gleich Altmetallwert ist? Das mache ich nicht.“ Er zuckt die Schultern: „Sie können es sich ja nochmal überlegen.“ Wir verabschieden uns, und ich bleibe noch eine Zeitlang alleine vor Hillary stehen. Nun bekomme ich sie also zum zweiten Mal nur dann zurück, wenn ich mich dafür übers Ohr hauen lasse. Und dieses Mal ist es die letzte Chance, sie in einem einigermaßen guten Zustand zu retten. Noch einmal denke ich an all die Erinnerungen, die in diesem Auto stecken. Ich sehe schmunzelnd die überlackierte Schramme an der Frontstoßstange, die ich selbst in der Immanuelkirchstraße im Prenzlauer Berg hineinfuhr. Seither sind viele Macken dazugekommen. Bei Hillary. Und bei mir.

Dann denke ich: Es war schön. Sie war ein wichtiger Teil meiner Jugend, ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich möchte diesen Teil zurückhaben.

Aber dann denke ich: Vielleicht ist es auch so, dass dies zu den Dingen gehört, die man sich für kein Geld in der Welt zurückkaufen kann. Vielleicht muss man das akzeptieren. Ich streiche der weißen Hillary zum Abschied mit der Hand über das Dach, steige in meinen schwarzen Saab 9000 und fahre los, ohne mich noch einmal nach ihr umzuschauen."

Ich habe am Wochenende nochmal wirklich den ganzen Thread gelesen (und zwar von Anfang an), weil unsere Alters- und Saab Situation starke zeitliche Parallelen hat(te) und Du das imaginäre Saab-Feelig einfach so 1A auf den Punkt bringen kannst. Zeitweise begleiteten uns auch ähnliche Projekte (9000 Aero - bei dem ich schlussendlich auch heute wieder gelandet bin smile) und ähnliche "Verlangen".

Es ist einfach so wunderbar beschrieben, wie dieses Saab-Feeling von Dir immer in Worte gefasst wird. Und es macht auch heute noch Spass, (viel) Zeit damit zu verbrignen es nochmal zu erleben. Besonders wenn es so parallel verläuft ciao

Am 10.1.2026 um 17:40, klaus hat gesagt:

Der blaue 900S geht in gute, wertschätzende Hände.

Hast Du irgendwo eine Suchanzeige? Falls ja muss ich die übersehen haben.

Ja, ist schon eine Weile drin und noch immer aktuell.

Es war einfach noch nichts passendes dabei. Die gepfelgten Zustände hatten oft deutlichen Investitionsbedarf, der teils an Restauration grenzte.

ich würde gern einen guten 900 übernehmen. Meinen 99er hatte ich auch zum Verkauf inseriert, mich aber für das behalten entschieden, da die angebotenen Kaufpreise einfach zu niedrig waren und ich jetzt doch noch einmal viel investierte in Silikonschläuche, neue Zylinderkopfdichtung, überarbeitetem Kopf usw., ich kann mich einfach doch nicht trennen.

Dafür geht das Motorrad und ein 900 Turbo Coupe soll her und die gleiche Zuwendung erfahren.

  • 2 Monate später...
  • Autor

Ein Update. Viel ist passiert in meiner Garage in den letzten Wochen. Zunächst: Zwei Saab haben direkt im Forum oder über Forum-Vermittlung einen neuen Besitzer bekommen. Der 9000 und der 900.

Am 9000 hatte ich über all die Investitionen die Lust verloren. Es ist gut, dass jetzt jemand dort anfängt, wo ich aufgehört habe. Auf diese Weise bleibt das Ziel bestehen: Ein substanziell gesunder und besonders schöner 9000 wird erhalten. Wenn auch nicht in meinem Besitz.

Mit dem 900 war es so, wie es bei mir mit dem 900 immer war: Ich achte ihn als Ikone der Marke. Aber ich muss selbst keinen haben.

Angenehm war mir auch der Gedanke einer gewissen Komplexitätsreduktion in meinem Alltag. Ich wurde vier Autos neben dem Audi-Dienstwagen einfach nicht gerecht. Man kann sowas machen. Aber nur, wenn man eine spezialisierte Werkstatt des Vertrauens in erreichbarer Nähe hat. Meinem Saab-Schrauber im Nachbardorf ist im letzten Sommer die Halle abgebrannt, und er hat immer noch keine neue gefunden.

Selbst beim Citroën ist es herausfordernd. In seinem Heimatland gibt es erstaunlich wenige Betriebe, die Lust haben, sich um die Ersatzteilversorgung eines alten BX zu kümmern. Also bringe ich ihn Ende März in die Snoekfabriek. Eine Werkstatt in den Niederlanden, die sich auf nichts anderes spezialisiert hat als alte BXe. Dort soll dann einmal Grund reingebracht werden in den alten Break.

Dem blauen 9-3 habe ich im Januar ein paar top erhaltene Elchschaufeln organisiert, auf die ich noch neue Michelin-Reifen ziehen lassen will. Die Jahreswartung hat die markenoffene Klassikerwerkstatt am Ort gemacht. Jetzt steht noch eine neue Hohlraumversiegelung an.

Also: Zwei Autos weg. Zwei Autos behalten und in die mal vernünftig investieren. So der Plan. Ein guter Plan.

Der einzige Haken: Man hätte mir noch den Zugang zum Internet wegnehmen müssen. Oder mich zumindest für alle einschlägigen Verkaufsportale sperren sollen, auf denen ich seit Jahr und Tag neue Saab-Offerten anschaue.

Hat man aber nicht. Also stieß ich vorletzte Woche auf ein elektrisierendes Angebot: Saab 9-3 2.0t SE 5-Türer. Außen schwarz, innen beige. Erste Hand. Nur 70.000km. Aus ... Bremen! Jener ehemaligen Saab-Hochburg, in der ich vor ziemlich genau 18 Jahren meinen allersten Saab 9-3 gekauft habe.

Ich konnte nicht anders: Ich schrieb dem Verkäufer eine Nachricht. Und bekam keine Antwort. Ein Glück, dachte ich.

Und dann doch wieder nicht. Denn das Inserat blieb online. Auch die zweite Nachricht blieb unbeantwortet. Immer wieder schaute ich mir das Bild der makellosen beigen Lederausstattung an. Und schrieb schließlich noch eine dritte Nachricht.

Dann klingelte vergangenen Samstag das Telefon. Ein freundlicher Herr in den Mitt-70ern erzählte mir, dass er in seinem Leben noch nie ein Auto verkauft habe, und eigentlich damit auch überfordert sei: "Sie glauben ja gar nicht, wie viele Leute mir da schreiben. Es ist doch einfach nur ein alter Saab!" Er könne und wolle denen nicht allen antworten. Insofern wäre er mir sehr verbunden, wenn ich den Wagen direkt nehme und mich um die ganze Abwicklung kümmern könne. Er habe den Saab damals neu für seine Frau bestellt, zusammen mit seinem 9-5 Aero. Seine Frau liebe das Auto, aber es fehle mittlerweile in Bremen die gute Saab-Adresse, die sich wirklich um so einen 9-3 kümmere. Das Serviceheft sei geführt, der Pflegezustand wirklich außerordentlich gut. Nur an den hinteren Radläufen beginne der Rost zu nagen. Entsprechend würde er mir nochmal 1000 Euro vom Preis nachlassen. Es ginge ihm sowieso nicht ums Geld bei dem Auto. Der Saab müsse nur in gute Hände kommen, denn das Feeling dieses Autos sei einfach einzigartig. Und so hörte ich mich sagen: "Ich kaufe den Wagen."

Diesen Donnerstag machte ich mich dann auf den Weg nach Bremen, verspeiste voller Vorfreude vorzüglichen Grünkohl im Kleinen Olymp im Schnoor und fieberte dem ersten Rendezvous mit dem Saab entgegen. Zuvor hatte ich mir noch vom Meister der Werkstatt, die den Wagen in den letzten beiden Dekaden betreut hatte, den Freifahrtschein geholt: "Das ist ein TOP 9-3! Abgesehen von leichtem Rost an den Radläufen hinten. Den können Sie bedenkenlos kaufen." Freitag dann erwartete mich der freundliche Herr vor dem Haus in einer feinen Bremer Wohngegend. Gemeinsam gingen wir in die Tiefgarage, und schon als wir auf den glänzenden schwarzen Saab zugingen, sagte ich: "Nach all den Jahren schlägt mein Herz immer noch höher, wenn ich so einen Saab 9-3 sehe." Ganz so wie weiland 2008, als ich meinen ersten 9-3 gemeinsam mit meinem Vater bei Volvo Möhler in Bremen abholte. Der Eigentümer sagte: "Wissen Sie, als ich den 9-3 und den 9-5 Aero neu hatte, bin ich manchmal einfach runter in die Garage gegangen, um den Anblick der beiden Autos zu genießen." Schließlich stieß noch seine Frau dazu. Ihr fiel die Trennung vom Saab erkennbar schwer.

Zu dritt machten wir eine Probefahrt. Das Auto sieht aus wie ein Neuwagen. Und es fährt sich auch so. Bei einem Zwischenstopp im Bremer Nieselregen rutschte ich auf dem Boden um die Karosse herum und stellte fest, dass der Saab auch von unten einen gesunden Eindruck macht. (Die Federbeinaufnahmen konnte ich ohne Bühne nicht checken). Der Besitzer erklärte mir, wie wichtig es sei, einen Saab-Turbomotor ordentlich warm- und kaltzufahren: "Als ich den Wagen 2000 bekam, habe ich die 1000 Kilometer Einfahren an einem Wochenende mit einer großen Tour vollgemacht. Ich wollte sicherstellen, dass der Wagen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Drehzahlen bewegt wird."

Nach der Probefahrt gingen wir am Esstisch eine dicke Mappe mit alten Rechnungen und das durchgestempelte Serviceheft durch. Mit abgeheftet waren ausgeschnittene Zeitungsartikel mit dem Vergleichstest von Scheinwerferbirnen und Ganzjahresreifen, in denen jeweils gelb markiert wurde, für welches Produkt man sich entschied. Querlenker, Zündkassette und Zylinderkopfdichtung sind schon mal neu gekommen. Letzteres ziemlich kurios bei der Laufleistung. Warum, wusste er auch nicht mehr. Während wir die Unterlagen durchgingen, klingelte zweimal das Telefon: "Das ist so ein Autohändler hier aus der Nachbarschaft. Der hat mir mehrmals gesagt, dass ich ihm Bescheid sagen soll, wenn ich den Saab verkaufe. Vielleicht hat er jetzt das Inserat gesehen. Jedenfalls versucht der mich schon den ganzen Morgen und Vormittag anzurufen."

Ätsch, umsonst, denke ich bei mir, und unterschreibe mit fröhlichem Herzen den Kaufvertrag.

Zum Schluss gab es noch Bremer Torte "für die Mama zuhause" mit auf den Weg.

Montag lasse ich den Neuewerb in Schleswig-Holstein zu (ich glaube allerdings, ich behalte das Bremer Kennzeichen, das der Wagen seit 2000 hat) und mache mich dann mit der Eisenbahn auf den Weg nach Bremen, um den Saab nachzuholen. Zur Feier des Tages wollen die Vorbesitzer mich noch zum Essen einladen. Ich habe schon vielen freundlichen Menschen ihre Saabs abgekauft. Aber so eine Gastfreundschaft habe ich wirklich selten erlebt.

Der 9-3 wird wohl zumindest mittelfristig an meinem Wohnort in Schleswig-Holstein bleiben, wo er in einer trockenen gut belüfteten Scheune stehen kann. Vielleicht nehme ich ihn auch mit in die Bretagne und stationiere stattdessen den blauen 9-3 SE 2.0i hier. Am Dienstag geht der schwarze Turbo jedenfalls erstmal zum Förde Car Service in der Nähe von Kiel. Der ehemalige Meister von Lafrentz, der mir schon mehrfach empfohlen wurde. Der erste telefonische Kontakt macht einen sehr guten Eindruck. Auf dem Zettel stehen: Radläufe sanieren. Ölwanne und Ölsieb checken. Kurbelgehäuseentlüftung wechseln, eine angeschrammte Außenspiegelkappe neu lackieren, einen großen Service machen, neue Michelin-Reifen aufziehen, und eine erneuerte Hohlraumversiegelung mit Mike Sanders. Ansonsten mal sehen, was die Werkstatt noch für sinnvoll hält.

Tja, und so lautet die Bilanz: Zwei Saab gegangen, ein Saab gekommen. Ich freue mich brummkreiselig über den Neuerwerb. Und mir gefällt die Vorstellung, dass sich mit dem zweiten Bremer Saab auch so ein auto-biografischer Bogen für mich schließt.

Im Übrigen: Der pensionierte Verkaufsleiter eines ehemaligen norddeutschen Saab-Autohauses schrieb mich in diesen Tagen an und meinte: Er habe da einen 9-3/I mit ganz niedrigem Kilometerstand in tollem Zustand im Altkundenkreis entdeckt. Der Wagen solle unter Umständen verkauft werden. Ob er mir kommende Woche mal nähere Infos schicken soll?

Na klar, schreibe ich. Schicken Sie mal!

Bearbeitet von lunatic-factor

  • lunatic-factor hat den Titel geändert in Meine bremisch-bretonische Saab-Vita

Bei Micha bist du gut aufgehoben.

Alles Weitere lässt sich ja noch klären, bloß:

das Kennzeichen seit 2000, das zu dem Auto gehört, kannst Du nur jetzt so behalten. Schließlich steht es auf allen bisherigen Werkstattrechnungen drauf und der Wagen braucht sich nach 25 Jahren nicht "plötzlich" innerhalb gut einer Woche umgewöhnen, dass er jetzt auch unter anderer Kennzeichnung läuft, wenn schon wer bisher Fremdes einsteigt, wer bisher Fremdes ihm als Kleid geht usw.

Viel ruhige Freude Dir, den neuen Bremer und den Menschen um ihn.

  • Autor

Am 14.3.2026 um 19:00, StRudel hat gesagt:

Alles Weitere lässt sich ja noch klären, bloß:

das Kennzeichen seit 2000, das zu dem Auto gehört, kannst Du nur jetzt so behalten. Schließlich steht es auf allen bisherigen Werkstattrechnungen drauf und der Wagen braucht sich nach 25 Jahren nicht "plötzlich" innerhalb gut einer Woche umgewöhnen, dass er jetzt auch unter anderer Kennzeichnung läuft, wenn schon wer bisher Fremdes einsteigt, wer bisher Fremdes ihm als Kleid geht usw.

Viel ruhige Freude Dir, den neuen Bremer und den Menschen um ihn.

Ja, ich werde es wohl auch so lassen. Zugegebenermaßen auch deshalb, weil mir Bremen als Stadt sympathisch ist und weit genug im Norden der Republik liegt:-)

An der Unterhaltung teilnehmen

Du kannst jetzt posten und dich später registrieren. Wenn du ein Konto hast, melde dich jetzt an, um mit deinem Konto zu posten.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

Wichtige Informationen

Wir haben Cookies auf deinem Gerät gespeichert, um diese Website zu verbessern. Du kannst deine Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass du mit der Verwendung von Cookies einverstanden bist.

Konto

Navigation

Suchen

Suchen

Configure browser push notifications

Chrome (Android)
  1. Tippen Sie auf das Schlosssymbol neben der Adressleiste.
  2. Tippen Sie auf Berechtigungen → Benachrichtigungen.
  3. Passen Sie Ihre Einstellungen an.
Chrome (Desktop)
  1. Click the padlock icon in the address bar.
  2. Select Site settings.
  3. Find Notifications and adjust your preference.